Sicher erfassen Sie in Ihrem Unternehmen eine Reihe von HR-Kennzahlen: Fluktuationsrate, Fehlzeitenquote, Cost-per-Hire oder Time-to-Hire. Aber welche Kennzahlen helfen Ihnen wirklich weiter?
In diesem Artikel erfahren Sie, welche HR-Kennzahlen für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) relevant sind, an welchen Benchmarks Sie sich orientieren können und welche Maßnahmen sinnvoll sind, wenn sich eine Zahl anders entwickelt als erwartet.
Doch gute Kennzahlen allein reichen nicht aus. Hinter vielen HR-Metriken verbergen sich Kosten und Produktivitätsverluste, die in Berichten, Dashboards und Tabellen oft gar nicht erkennbar sind.
Die Fluktuationsrate zeigt beispielsweise, wie viele Mitarbeitende das Unternehmen verlassen – aber nicht, welche Kosten Ihrem Unternehmen dadurch entstehen. Genauso wenig sagt eine lange Time-to-Hire darüber aus, wie viel Umsatz oder Produktivität bis zur Besetzung einer Stelle verloren gegangen ist.
Deshalb sehen wir uns in diesem Artikel auch die Folgen hinter den Kennzahlen an. Sie erfahren, welche Kosten durch offene Stellen, unerwünschte Fluktuation oder langsame Recruiting-Prozesse entstehen können und wie Sie diese für Ihr Unternehmen sichtbar machen.
Außerdem zeigen wir, warum HR-Kennzahlen nicht isoliert betrachtet werden sollten. Erst wenn Sie Daten aus Recruiting (Hire), Personalmanagement (Manage) und Mitarbeiterentwicklung (Grow) zusammenführen, gewinnen Sie tiefere Einblicke und treffen bessere Personalentscheidungen.
Mehr HR-Daten führen nicht automatisch zu besseren Personalentscheidungen. Die Herausforderung besteht darin, aus den Kennzahlen konkrete Maßnahmen abzuleiten.
Konzentrieren Sie sich auf wenige, aussagekräftige HR-Kennzahlen. Für viele KMU sind Fluktuation, Fehlzeiten, Cost-per-Hire, Time-to-Hire und eNPS ein sinnvoller Einstieg.
Nutzen Sie Benchmarks als Orientierung, betrachten Sie aber auch Entwicklungen innerhalb Ihres Unternehmens sowie Unterschiede zwischen Teams, Positionen und Abteilungen.
Die Kennzahl Talent Drift macht versteckte Kosten sichtbar. Mit den Kennzahlen Vacancy Drift, Attrition Drift und Hiring Velocity Drift können Sie berechnen, welche Kosten und Produktivitätsverluste durch offene Stellen, unerwünschte Mitarbeiterabgänge und einen langsamen Recruiting-Prozess entstehen.
Verknüpfen Sie die Daten aus Recruiting, Personalmanagement und Mitarbeiterentwicklung. Die Analyse von HR-Kennzahlen im Gesamtkontext liefert tiefgehende Erkenntnisse und ermöglicht bessere Personalentscheidungen.
HR-Kennzahlen sind messbare Werte, die zeigen, wie erfolgreich Ihre Personalarbeit ist und an welchen Stellen Handlungsbedarf besteht. Dazu gehören beispielsweise die Fluktuationsrate, die Fehlzeitenquote und die Time-to-Hire.
Im Zusammenhang mit HR-Kennzahlen fällt häufig auch der Begriff HR-Analytics. Während HR-Kennzahlen die reinen Zahlen und Messwerte beschreiben, geht es bei HR-Analytics darum, diese Daten auszuwerten, Zusammenhänge zu erkennen und daraus bessere Entscheidungen abzuleiten.
In Unternehmen mit 20 bis 250 Mitarbeitenden machen sich offene Stellen, Fehlbesetzungen oder der Weggang wichtiger Fachkräfte unmittelbar bemerkbar:
Verlässt ein*e Account Manager*in das Unternehmen, kann sich das direkt auf den Umsatz auswirken.
Fällt ein Teammitglied krankheitsbedingt aus, steigt meist die Arbeitsbelastung für das restliche Team.
Bleibt eine Stelle über Monate unbesetzt, erschwert das nicht nur das Tagesgeschäft, sondern bremst häufig auch das Unternehmenswachstum.
Deshalb ist es für KMU besonders wichtig, die richtigen HR-Kennzahlen im Blick zu behalten. Doch das Erfassen der richtigen Zahlen allein reicht nicht aus. Sie schaffen erst dann einen echten Mehrwert, wenn Sie sie in Erkenntnisse umsetzen und so bessere Personal- und Recruiting-Entscheidungen treffen.
Den meisten KMU mangelt es nicht an HR-Kennzahlen. Fluktuation, Fehlzeiten, Time-to-Hire oder Mitarbeiterzufriedenheit werden meist regelmäßig erfasst. Oft bespricht HR die Ergebnisse mit den Führungskräften und der Unternehmensleitung.
Trotzdem bleibt oft eine entscheidende Frage offen: Welche Kennzahlen sind wirklich relevant? Das Problem ist nicht der Mangel an HR-Daten. Vielmehr fehlt ein klarer Rahmen, um zu entscheiden, welche Kennzahlen relevant sind und welche Maßnahmen daraus folgen sollten.
Eine steigende Fluktuationsrate zum Beispiel wirkt erstmal alarmierend. Aber erfordert sie sofortiges Handeln oder ist sie nur vorübergehend? Und wenn die Time-to-Hire steigt: Sollten Sie den Recruiting-Prozess anpassen, mehr Budget investieren oder die Stelle selbst hinterfragen?
Je mehr Kennzahlen Sie erfassen, desto schwieriger wird es, Prioritäten zu setzen. Konzentrieren Sie sich deshalb auf 5 bis 8 HR-Kennzahlen mit direktem Bezug zu Ihren Unternehmenszielen.
Möchten Sie schneller wachsen? Dann sind Recruiting-Kennzahlen wie Time-to-Hire und Cost-per-Hire besonders relevant.
Haben Sie Schwierigkeiten, Mitarbeitende zu halten? Dann sollten Sie Werte zu Mitarbeiterbindung, Fluktuation und Engagement genauer betrachten.
Möchten Sie Produktivität und Leistung steigern? Sehen Sie sich die Kennzahlen zu Leistung, Fehlzeiten und Entwicklung an.
Legen Sie außerdem fest, wann eine Kennzahl Handlungsbedarf signalisiert:
Ab welchem Wert wird eine Kennzahl kritisch?
Welche Entwicklungen oder Trends sollten genauer untersucht werden?
Welche Maßnahmen versprechen die größte Wirkung?
Indem Sie im Voraus klare Signale und Maßnahmen definieren, verhindern Sie, dass HR-Kennzahlen in Tabellen und Dashboards versauern. Stattdessen können Sie sie nutzen, um bessere, fundierte Personalentscheidungen zu treffen.
Die folgenden 8 HR-Kennzahlen bieten kleinen und mittleren Unternehmen wertvolle Einblicke in ihre Belegschaft, ihre Recruiting-Prozesse und die Unternehmensleistung. Diese Kennzahlen helfen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielt zu handeln:
Die konkreten Benchmark-Werte unterscheiden sich je nach Branche. Eine Fluktuationsrate, die im Gastgewerbe als normal gilt, kann für eine Steuerkanzlei hoch sein. Nutzen Sie Benchmarks deshalb als Orientierung und vergleichen Sie Ihre Ergebnisse mit Unternehmen aus Ihrer eigenen Branche.
Die Time-to-Hire misst die Anzahl der Tage zwischen dem Eingang einer Bewerbung und der Annahme des Jobangebots durch den*die Kandidat*in. Sie zeigt, wie schnell Bewerbende Ihren Recruiting-Prozess durchlaufen.
Sie können die Time-to-Hire für das gesamte Unternehmen berechnen. Oft ist es jedoch aufschlussreicher, die Kennzahl nach Position, Team oder Führungskraft aufzuschlüsseln.
Drei Kandidat*innen nehmen ein Jobangebot jeweils nach 25, 40 und 35 Tagen an.
Die durchschnittliche Time-to-Hire beträgt: (25 + 40 + 35) ÷ 3 = 33,3 Tage.
Laut dem Recruiting-Report 2025 von Tellent lag die durchschnittliche Time-to-Hire in der Benelux-Region bei 37,1 Tagen. Je nach Branche gibt es jedoch deutliche Unterschiede. Im Einzelhandel lag der Durchschnitt bei 29,6 Tagen, während er in der Unterhaltungsbranche durchschnittlich 60,4 Tage betrug.
Eine hohe Time-to-Hire deutet häufig auf Verzögerungen im Recruiting-Prozess hin. Analysieren Sie daher, an welcher Stelle im Recruiting-Prozess die größten Verzögerungen entstehen: zwischen Bewerbung und erstem Interview, zwischen den einzelnen Gesprächsrunden oder bei der finalen Entscheidung.
Oft lässt sich die Time-to-Hire verkürzen, indem Sie die Anzahl der Interviews reduzieren, schneller Feedback geben und klare Zeitpläne zwischen Recruiter*innen und Führungskräften vereinbaren.
Die Cost-per-Hire gibt an, wie viel eine Neueinstellung Ihr Unternehmen durchschnittlich kostet. Sie können die Kennzahl für das gesamte Unternehmen berechnen oder sie nach Positionen, Teams oder Recruiting-Kanälen aufschlüsseln.
Durch die Aufschlüsselung können Sie erkennen, welche Stellen besonders teuer zu besetzen sind und wo sich die Recruiting-Kosten senken lassen.
In einem Quartal geben Sie 12.000 € für Stellenbörsen, Recruiting-Software und die Gehälter der Recruiter*innen aus. Hinzu kommen 8.000 € für eine externe Personalvermittlung. Bei 5 Neueinstellungen ergibt sich folgende Cost-per-Hire: (12.000 € + 8.000 €) ÷ 5 = 4.000 €.
Für viele KMU liegt die Cost-per-Hire zwischen 3.000 € und 6.000 €. Arbeiten Sie mit einer externen Personalvermittlung zusammen, fällt häufig eine Vermittlungsprovision von 20 bis 35 % des Bruttojahresgehalts der eingestellten Person an.
Finden Sie heraus, welche Kosten den größten Anteil ausmachen. Sind Personalvermittlungen, Stellenanzeigen oder der interne Aufwand die größten Kostentreiber? Oft helfen Mitarbeiterempfehlungen, ein Talent Pool und automatisierte Abläufe im Bewerbermanagementsystem dabei, die Recruiting-Kosten zu senken.
Die Quality-of-Hire zeigt, wie erfolgreich sich neue Mitarbeitende in Ihrem Unternehmen entwickeln. Die Kennzahl hilft Ihnen zu beurteilen, ob Ihr Recruiting-Prozess die richtigen Kandidat*innen anzieht.
Für die Berechnung gibt es keine einheitliche Formel. Viele Unternehmen kombinieren verschiedene Faktoren, zum Beispiel Leistungsbeurteilungen nach 6 oder 12 Monaten, Feedback von Führungskräften, Zielerreichung und die Verbleibquote neuer Mitarbeitender.
Bei der Quality-of-Hire geht es nicht darum, einen Benchmark-Wert zu erreichen. Entscheidend ist, ob sich die Qualität Ihrer Neueinstellungen über die Zeit verbessert oder verschlechtert. Vergleichen Sie die Kennzahl deshalb vor allem mit früheren Einstellungen in vergleichbaren Positionen.
Wenn Führungskräfte neue Mitarbeitende im letzten Jahr durchschnittlich mit 4,3 von 5 Punkten bewertet haben und in diesem Jahr nur mit 3,7 Punkten, dann könnte dies darauf hindeuten, dass sich etwas an Ihrem Recruiting-Prozess, dem Onboarding oder den Erwartungen an die Position geändert hat.
Prüfen Sie, an welcher Stelle im Recruiting-Prozess Probleme entstehen. Spiegeln Stellenanzeigen, Auswahlkriterien und Interviews noch die tatsächlichen Anforderungen der Position wider? Suchen Sie nach Mustern bei neuen Mitarbeitenden, die sich weniger erfolgreich entwickeln.
Sehen Sie sich auch die erfolgreichen Neueinstellungen an. Über welche Kanäle wurden sie gewonnen? Wie lief das Onboarding ab? Was haben sie gemeinsam? Diese Erkenntnisse helfen Ihnen, Stellenanzeigen, Auswahlprozesse und Onboarding gezielt zu verbessern.
Die Fluktuationsrate zeigt an, wie viele Mitarbeitende Ihr Unternehmen in einem bestimmten Zeitraum verlassen. Sie gibt Aufschluss darüber, wie gut es Ihnen gelingt, Mitarbeitende langfristig zu binden.
Sie können die Fluktuationsrate für das gesamte Unternehmen berechnen. Aufschlussreicher ist aber die Aufschlüsselung nach Teams, Positionen oder Führungskräften. So erkennen Sie schneller, wo Mitarbeitende häufiger kündigen als im Unternehmensdurchschnitt.
Ihr Unternehmen beschäftigt im Jahresdurchschnitt 100 Mitarbeitende. Im Laufe des Jahres verlassen 12 Personen das Unternehmen. Die Fluktuationsrate beträgt: (12 ÷ 100) × 100 = 12 %.
Für KMU gilt eine Fluktuationsrate zwischen 8 und 15 % meist als angemessen. Was als guter Wert gilt, hängt jedoch stark von der Branche ab. Im Gesundheitswesen liegt die Fluktuation häufig bei rund 8 %, im Gastgewerbe kann sie bis zu 25 % betragen. Vergleichen Sie Ihre Werte deshalb möglichst mit Unternehmen aus Ihrer eigenen Branche.
Finden Sie zunächst heraus, warum Mitarbeitende das Unternehmen verlassen. Exit-Interviews liefern dafür oft wertvolle Hinweise. Tauchen dabei immer wieder dieselben Gründe auf, wie fehlende Entwicklungsmöglichkeiten, hohe Arbeitsbelastung oder unklare Erwartungen? Dann wissen Sie, wo Handlungsbedarf besteht.
Betrachten Sie nicht nur die Anzahl der Austritte. Verlassen Mitarbeitende das Unternehmen, weil sie in den Ruhestand gehen? Das erfordert einen anderen Ansatz, als wenn Leistungsträger*innen unerwartet das Unternehmen verlassen.
Eine strategische Personalplanung hilft dabei, absehbare Austritte (z. B. Rente) frühzeitig zu erkennen und für Ersatz zu sorgen.
Analysieren Sie auch die Unterschiede zwischen Teams, Positionen und Führungskräften. Ist die Fluktuation in einem Team dauerhaft höher als im Rest des Unternehmens, steckt oft mehr dahinter. Dann sollten Sie den Ursachen auf den Grund gehen.
Der Employee Net Promoter Score misst, wie wahrscheinlich es ist, dass Mitarbeitende Ihr Unternehmen als Arbeitgeber weiterempfehlen. Die Kennzahl gibt Aufschluss über Mitarbeiterzufriedenheit, Engagement und Loyalität.
Um den eNPS zu ermitteln, stellen Sie Ihren Mitarbeitenden folgende Frage: „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie unser Unternehmen als Arbeitgeber an Freund*innen oder Familie weiterempfehlen?“
Die Mitarbeitenden vergeben eine Bewertung von 0 bis 10. Die Antworten werden in drei Gruppen unterteilt:
9–10: Fürsprecher*innen
7–8: Passive
0–6: Kritiker*innen
Bewerten 45 % der Mitarbeitenden Ihr Unternehmen mit 9 oder 10 Punkten und 30 % mit 0 bis 6 Punkten, ergibt sich folgender eNPS: 45 − 30 = 15.
Viele Unternehmen orientieren sich an folgenden Richtwerten:
10 bis 30: gut
30 bis 50: sehr gut
über 50: ausgezeichnet
Betrachten Sie den eNPS jedoch nicht nur als Momentaufnahme. Oft ist die Entwicklung über einen längeren Zeitraum aufschlussreicher. Steigt der eNPS beispielsweise von 10 auf 25, sagt das häufig mehr aus, als wenn der eNPS seit Jahren konstant bei 30 liegt.
Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse möglichst mit Unternehmen aus Ihrer Branche.
Ein niedriger eNPS zeigt, dass Mitarbeitende Ihr Unternehmen weniger positiv wahrnehmen, erklärt aber nicht, warum. Fragen Sie deshalb immer auch nach den Gründen für die Bewertung und analysieren Sie die Ergebnisse nach Teams, Abteilungen oder Führungskräften. So erkennen Sie, wo der größte Handlungsbedarf besteht.
Die Fehlzeitenquote zeigt an, welcher Anteil der verfügbaren Arbeitszeit durch krankheitsbedingte Ausfälle verloren geht. Sie gibt Aufschluss über die Gesundheit, Arbeitsbelastung und langfristige Beschäftigungsfähigkeit Ihrer Mitarbeitenden.
Sie können die Fehlzeitenquote für das gesamte Unternehmen oder nach Teams, Abteilungen und Positionen auswerten. So sehen Sie, wo die Fehlzeiten dauerhaft über dem Durchschnitt liegen.
Ihr Unternehmen verzeichnet in einem Quartal 250 Krankheitstage bei insgesamt 5.000 verfügbaren Arbeitstagen. Die Fehlzeitenquote beträgt: (250 ÷ 5.000) × 100 = 5 %.
Fehlzeiten variieren stark nach Branche. Vergleichen Sie Ihre Werte deshalb möglichst mit Unternehmen aus Ihrem Bereich. Liegt Ihre Fehlzeitenquote über dem Branchendurchschnitt oder über 6 %, ist das oft ein Zeichen dafür, dass Sie genauer hinsehen sollten.
Analysieren Sie zunächst, ob es sich überwiegend um Kurzzeit- oder Langzeiterkrankungen handelt. Häufige Kurzzeitausfälle können auf eine hohe Arbeitsbelastung, Stress oder Probleme im Team hindeuten. Langzeiterkrankungen haben meist andere Ursachen.
Prüfen Sie außerdem Unterschiede zwischen Teams, Positionen und Führungskräften. Liegt die Fehlzeitenquote in einer Abteilung dauerhaft über dem Unternehmensdurchschnitt, kann das auf tieferliegende Probleme hindeuten. Sprechen Sie mit Mitarbeitenden und Führungskräften, um die Ursachen zu ermitteln und geeignete Maßnahmen abzuleiten.
Der Umsatz pro Vollzeitäquivalent gibt an, wie viel Umsatz Ihr Unternehmen durchschnittlich pro Vollzeitkraft erwirtschaftet. Die Kennzahl hilft Ihnen zu beurteilen, wie sich Ihr Umsatz im Verhältnis zur Größe Ihres Teams entwickelt.
Ihr Unternehmen erzielt einen Jahresumsatz von 12 Millionen Euro und beschäftigt durchschnittlich 80 Vollzeitkräfte. Der Umsatz pro Vollzeitäquivalent beträgt: 12.000.000 € ÷ 80 = 150.000 €.
Ein guter Umsatz pro Vollzeitäquivalent hängt stark von Branche und Geschäftsmodell ab. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse deshalb mit Unternehmen aus Ihrem Bereich und beobachten Sie die Entwicklung der Kennzahl über einen längeren Zeitraum.
Untersuchen Sie zunächst die Ursachen. Ein niedriger Umsatz pro Vollzeitäquivalent bedeutet nicht unbedingt, dass Ihr Team nicht produktiv ist. Auch offene Stellen, hohe Fehlzeiten oder lange Einarbeitungszeiten können den Wert beeinflussen.
Prüfen Sie anschließend, wo die größten Engpässe liegen und mit welchen Maßnahmen Sie die größtmögliche Wirkung erzielen können.
Die Time-to-Productivity misst, wie lange neue Mitarbeitende brauchen, bis sie in ihrer Position voll produktiv sind. Die Kennzahl zeigt, wie effektiv Ihr Onboarding ist und wie schnell neue Mitarbeitende einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten.
Was „voll produktiv“ bedeutet, hängt von der jeweiligen Position ab. Legen Sie deshalb im Vorfeld klare Ziele fest. Für Account Manager*innen kann das ein Umsatzziel sein, für Mitarbeitende im Kundenservice die eigenständige Bearbeitung einer bestimmten Anzahl von Kundenanfragen.
Eine Account Managerin tritt ihre Stelle am 1. Januar an und erreicht am 1. Mai erstmals eigenständig das monatliche Umsatzziel. Die Time-to-Productivity beträgt in diesem Fall 4 Monate.
Ein guter Wert hängt stark von der jeweiligen Position ab. Vergleichen Sie die Kennzahl daher vor allem mit ähnlichen Rollen innerhalb Ihres Unternehmens.
Als grobe Orientierung gilt: In vielen operativen Bereichen beträgt die Einarbeitungszeit 2 bis 3 Monate. Bei Fach-, Führungs- oder wissensintensiven Positionen sind 6 bis 12 Monate realistischer.
Prüfen Sie zunächst Ihren Onboarding-Prozess. Erhalten neue Mitarbeitende schnell Zugang zu den richtigen Systemen, Informationen und Schulungen? Sind die Erwartungen von Anfang an klar? Wissen sie, an wen sie sich bei Fragen wenden können?
Holen Sie außerdem regelmäßig Feedback von neuen Mitarbeitenden und ihren Führungskräften ein. Sie können meist am besten einschätzen, welche Schritte im Onboarding zu Verzögerungen führen. Beseitigen Sie diese Engpässe, damit neue Mitarbeitende schneller produktiv sein können.
HR-Kennzahlen geben Aufschluss darüber, was in Ihrem Unternehmen passiert ist. Wie viele Mitarbeitende haben das Unternehmen verlassen? Wie lange blieben Stellen unbesetzt? Wie zufrieden sind Ihre Mitarbeitenden? Was sie nicht zeigen, sind die Kosten, die hinter diesen Entwicklungen stehen.
Eine Fluktuationsrate von 12 % sagt Ihnen beispielsweise, wie viele Mitarbeitende das Unternehmen verlassen haben – aber nicht, was Sie das gekostet hat. Dazu zählen etwa die Suche nach Ersatz, die Einarbeitung neuer Mitarbeitender und der Produktivitätsverlust, den die unbesetzte Stelle verursacht.
Genauso ist es auch bei anderen HR-Kennzahlen. Eine lange Time-to-Hire zeigt, dass Stellen schwer zu besetzen sind, aber nicht, wie viel Produktivität Ihrem Unternehmen durch die Vakanzen verloren geht.
Die Kennzahl Talent Drift (Talentabwanderung) macht sichtbar, welche finanziellen Folgen offene Stellen, unerwünschte Fluktuation und langsame Recruiting-Prozesse für Ihr Unternehmen haben.
Sie macht die versteckten Kosten und Produktivitätsverluste messbar, die sich hinter HR-Kennzahlen wie Fluktuation, Time-to-Hire oder die Fehlzeitenquote verbergen. Indem Sie die Auswirkungen messen, erkennen Sie, wo die größten Verluste entstehen – und mit welchen Maßnahmen Sie den größten Effekt erzielen.
Talent Drift macht drei zentrale Kostentreiber sichtbar:
Zusammen machen diese drei Dimensionen die finanziellen Auswirkungen sichtbar, die sich hinter HR-Kennzahlen wie Fluktuation, Time-to-Hire und der Fehlzeitenquote verbergen.
Die Kennzahl Vacancy Drift bezeichnet den finanziellen Verlust, der durch eine unbesetzte Stelle entsteht.
Viele Unternehmen messen zwar, wie lange eine Stelle vakant ist, aber nicht die finanziellen Folgen. Jeder Tag, an dem eine wichtige Stelle unbesetzt bleibt, kostet Produktivität, Umsatzpotenzial oder den Fortschritt eines Projekts.
Diese Auswirkungen werden auch als „Cost of Vacancy“ (Vakanzkosten) bezeichnet.
Der durchschnittliche Umsatz pro Vollzeitkraft beträgt in Ihrem Unternehmen 200.000 € pro Jahr. Bei rund 220 Arbeitstagen entspricht das etwa 910 € Umsatz pro Arbeitstag.
Sind 5 Vollzeitstellen durchschnittlich 60 Tage unbesetzt, ergibt sich folgender Produktivitätsverlust: 910 € × 60 × 5 = 273.000 €.
Identifizieren Sie zunächst die Stellen, die den größten Einfluss auf Ihren Unternehmenserfolg haben. Positionen, die direkt zum Umsatz beitragen oder für den Projektfortschritt entscheidend sind, sollten Priorität haben.
Konzentrieren Sie sich anschließend auf die Stellen, die am längsten unbesetzt bleiben. Können Sie beim nächsten Mal früher mit der Personalsuche beginnen, einen Talent Pool aufbauen oder stärker in Ihr Employer Branding investieren? Je schneller Sie kritische Positionen besetzen, desto geringer sind Produktivitätsverluste und die zusätzliche Belastung für das restliche Team.
Die Kennzahl Attrition Drift (Fluktuationskosten) beschreibt die finanziellen Auswirkungen durch ungewollte Mitarbeiterfluktuation und Fehlbesetzungen.
Diese Kosten gehen weit über die Kosten für die Neubesetzung hinaus. Hinzu kommen Recruiting-Kosten, Zeit für die Einarbeitung, Produktivitätsverluste sowie der Verlust von Wissen, Erfahrung und Kundenbeziehungen.
Laut einer Gallup-Studie variieren die Kosten einer Neubesetzung je nach Position erheblich. Im Durchschnitt betragen sie:
40 % des Jahresgehalts für Positionen im operativen Bereich
80 % des Jahresgehalts für technische Positionen und Spezialist*innen
200 % des Jahresgehalts für Führungskräfte und leitende Angestellte
Die tatsächlichen Kosten hängen stark von der Position, der Branche und der Arbeitsmarktsituation ab.
Der Einfachheit halber gehen wir davon aus, dass die Kosten einer Neubesetzung 100 % des Jahresgehalts betragen.
Verlassen 20 Mitarbeitende unerwünscht das Unternehmen und beträgt das durchschnittliche Jahresgehalt 55.000 €, ergeben sich folgende Kosten: 20 × (55.000 € × 1) = 1.100.000 €.
In diesem Beispiel belaufen sich die versteckten Kosten unerwünschter Fluktuation auf 1,1 Millionen Euro.
Finden Sie zunächst heraus, warum Mitarbeitende das Unternehmen verlassen. Exit-Interviews können oft wertvolle Hinweise liefern. Tauchen dabei immer wieder dieselben Gründe auf: fehlende Entwicklungsmöglichkeiten, eine hohe Arbeitsbelastung oder unklare Erwartungen? Dann sollten Sie genau dort ansetzen.
Werfen Sie außerdem einen kritischen Blick auf Ihren Auswahlprozess. Fehlbesetzungen treten oft auf, wenn Stellen unter Zeitdruck besetzt werden. Strukturierte Bewertungsbögen, klare Auswahlkriterien und eine enge Abstimmung zwischen Recruiter*innen und Führungskräften erhöhen die Chance auf eine passende Besetzung.
Die Kennzahl Hiring Velocity Drift zeigt die finanziellen Auswirkungen eines langsamen Recruiting-Prozesses auf.
Je länger der Recruiting-Prozess dauert, desto länger bleiben Stellen unbesetzt und desto länger dauert es, bis neue Mitarbeitende einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten können. Potenziale bleiben ungenutzt und das Risiko, dass gute Kandidat*innen im Bewerbungsprozess abspringen, steigt.
Diese Berechnung zeigt, wie viele Tage neue Mitarbeitende insgesamt im Recruiting-Prozess verbringen, bevor sie wirklich Teil des Unternehmens werden.
Angenommen, Ihr Unternehmen stellt 100 Mitarbeitende pro Jahr ein und die durchschnittliche Time-to-Hire beträgt 40 Tage.
Dann verbringen neue Mitarbeitende insgesamt: 100 × 40 = 4.000 Tage im Recruiting-Prozess, bevor sie ihre Stelle antreten.
Wenn Sie zudem den durchschnittlichen Umsatz pro Vollzeitäquivalent erfasst haben, können Sie berechnen, welchen Wert eine kürzere Time-to-Hire darstellt.
Nehmen wir an, Sie verkürzen die durchschnittliche Time-to-Hire um 10 Tage und neue Mitarbeitende erwirtschaften durchschnittlich jeweils 910 € Umsatz pro Arbeitstag. Bei 100 Neueinstellungen pro Jahr ergibt das über 910.000 € an früher realisiertem Umsatz (100 Neueinstellungen × 10 Tage × 910 €).
Finden Sie zunächst heraus, welche Schritte im Recruiting-Prozess am meisten Zeit in Anspruch nehmen. Verzögerungen entstehen häufig durch manuelle Aufgaben wie die Terminierung von Vorstellungsgesprächen, die Kommunikation mit Bewerbenden und das Einholen von Feedback.
Die Automatisierung solcher Aufgaben spart Zeit. Dadurch bleibt Recruiter*innen und Führungskräften mehr Raum für persönliche Gespräche und fundierte Personalentscheidungen.
Wichtig ist auch, sich im Vorfeld festzulegen, wie die Zusammenarbeit zwischen Recruiter*innen und Führungskräften ablaufen soll. Klare Prozesse, Zeitpläne und Verantwortlichkeiten helfen, unnötige Verzögerungen zu vermeiden.
Schon kleine Verbesserungen können einen großen Unterschied machen. Verkürzen Sie Ihre Time-to-Hire um nur wenige Tage, summiert sich dieser Zeitgewinn im Laufe eines Jahres spürbar.
Erst wenn Sie Vacancy Drift, Attrition Drift und Hiring Velocity Drift gemeinsam betrachten, wird deutlich, welche Kosten offene Stellen, unerwünschte Fluktuation und langsame Recruiting-Prozesse tatsächlich verursachen.
Die Summe dieser Kosten bezeichnen wir als Cost of Inaction (CoIN) bzw. Mehrkosten durch Untätigkeit. Gemeint sind die finanziellen Folgen verzögerter, ineffizienter oder wenig effektiver HR- und Recruiting-Entscheidungen.
Addiert man die Beispiele aus diesem Artikel zusammen, belaufen sich die Kosten auf mehr als 2,2 Millionen Euro pro Jahr.
Dabei berücksichtigen wir Auswirkungen wie Burnout, sinkendes Engagement, das Abspringen von Bewerbenden, eine höhere Arbeitsbelastung oder die stärkere Abhängigkeit von externen Dienstleistern noch gar nicht.
Viele Unternehmen verfügen heute über mehr HR-Daten als je zuvor. Doch mehr Daten führen nicht automatisch zu besseren Personalentscheidungen.
HR-Kennzahlen zeigen, was passiert – aber nicht immer, warum es passiert oder welche Personalentscheidungen die größte Wirkung haben. Eine niedrige Cost-per-Hire wirkt zum Beispiel positiv. Wenn diese Person das Unternehmen aber nach nur 3 Monaten verlässt, beginnt der Recruiting-Prozess von vorn. Schöne Kennzahlen sind kein Garant für gute Personalentscheidungen.
Um sich ein vollständiges Bild zu machen, müssen Sie HR-Kennzahlen nicht isoliert, sondern im Kontext sehen. Erst wenn Sie die Daten zu Recruiting, Leistung, Fluktuation und Mitarbeiterengagement miteinander verknüpfen, gewinnen Sie Erkenntnisse, anhand derer Sie bessere Personalentscheidungen treffen können.
Solange diese Informationen über verschiedene Tabellen und Systeme verstreut sind, bleiben Ihnen wichtige Zusammenhänge verborgen.
Doch Erkenntnisse allein reichen nicht aus. Bei HR-Analytics und datenbasierter Personalarbeit geht es nicht nur darum zu zeigen, was gewesen ist. Entscheidend ist, aus diesen Erkenntnissen bessere Entscheidungen abzuleiten.
Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei, HR-Kennzahlen sinnvoll zu nutzen, Prozesse gezielt zu optimieren und bessere Personalentscheidungen zu treffen.
Sie müssen nicht von Anfang an Dutzende Kennzahlen erfassen. Beginnen Sie mit diesen fünf: Fluktuation, Fehlzeiten, Cost-per-Hire, Time-to-Hire und eNPS.
Den größten Mehrwert erzielen Sie, wenn Sie diese Kennzahlen miteinander verknüpfen und Zusammenhänge über den gesamten Mitarbeiterlebenszyklus hinweg erkennen.
Kombinieren Sie beispielsweise Recruiting-Kosten, Time-to-Hire und Fluktuationsdaten. Ein bestimmter Recruiting-Kanal mag Ihnen zwar niedrige Recruiting-Kosten und eine kurze Time-to-Hire bescheren – aber wenn diese Mitarbeitenden das Unternehmen regelmäßig nach nur einem Jahr verlassen, erweist sich diese Recruiting-Strategie am Ende als kostspielig.
Erweitern Sie Ihr Kennzahlen-Set anschließend jedes Quartal um weitere Kennzahlen, die für Ihr Unternehmen relevant sind.
Viele Unternehmen fangen bei jeder offenen Stelle wieder bei null an, obwohl geeignete Kandidat*innen aus früheren Einstellungsrunden verfügbar wären.
Pflegen Sie Ihren Talent Pool deshalb aktiv und bleiben Sie mit vielversprechenden Kandidat*innen in Kontakt. So können Sie offene Stellen schneller besetzen, die Recruiting-Kosten senken und den Vacancy Drift reduzieren.
Wenn Recruiter*innen und Führungskräfte Kandidat*innen nach unterschiedlichen Kriterien bewerten, steigt das Risiko für inkonsistente Entscheidungen. Strukturierte Bewertungsbögen sorgen dafür, dass alle Bewerbenden zu jeder Zeit nach denselben Kriterien beurteilt werden.
Das senkt das Risiko von Fehlbesetzungen und hilft, den Attrition Drift zu reduzieren. Die Feedbackschleifen werden dadurch meist effizienter, sodass sich auch der Hiring Velocity Drift verringert.
KI kann Recruiter*innen helfen, relevante Informationen zu Kandidat*innen schneller zu finden, Muster zu erkennen und den administrativen Aufwand zu reduzieren.
Die endgültige Entscheidung sollte jedoch immer beim Menschen liegen. Aspekte wie Motivation, Entwicklungspotenzial, Teamfähigkeit und kulturelle Passung erfordern menschliches Urteilsvermögen. Nutzen Sie KI deshalb als Unterstützung im Recruiting und nicht als Ersatz für Recruiter*innen oder Führungskräfte.
Wahrscheinlich sammelt Ihr Unternehmen bereits mehr HR-Daten, als Ihnen bewusst ist. Die Herausforderung besteht meist nicht darin, noch mehr Daten zu erfassen, sondern die vorhandenen sinnvoll miteinander zu verknüpfen.
Sind Informationen aus Recruiting, Performance, Fluktuation und Mitarbeiterentwicklung auf verschiedene Systeme verteilt, bleiben Ihnen wichtige Zusammenhänge verborgen.
Mit Lösungen wie Tellent Recruitee und Tellent HR Manage führen Sie die Daten aus Recruiting, Personalmanagement und Personalentwicklung in einer zentralen Umgebung zusammen. So gewinnen Sie wertvolle Erkenntnisse, die Ihnen helfen, Risiken früher zu erkennen, Chancen zu identifizieren und bessere Personalentscheidungen zu treffen.
Mit Tellent Recruitee optimieren Sie Ihren Recruiting-Prozess mit automatisierten Workflows, strukturierten Bewertungsbögen, Talent Pools und KI-Unterstützung unter menschlicher Aufsicht. So verkürzen Sie Ihre Time-to-Hire, reduzieren den Talent Drift und treffen bessere, fundierte Recruiting-Entscheidungen.
Mit Tellent Manage bündeln Sie Fehlzeiten, Performance-Gespräche, Engagement-Daten und weitere HR-Informationen auf einer zentralen Plattform. So entsteht ein übersichtliches HR-Dashboard, das Ihnen einen umfassenden Blick auf den gesamten Mitarbeiterlebenszyklus bietet.
Weil Tellent modular aufgebaut ist, können Sie mit Tellent Recruitee beginnen und Tellent Manage später hinzufügen, wenn Ihr Unternehmen wächst.